Tweetup im Stadttheater

Am 22.04.2013 war es soweit: Der erste Tweetup des KonzertTheaterBern fand in den Vidmarhallen statt.
Ich hatte in der Woche zuvor kräftig die Twitter-Trommel gerührt und alle Interessierten aus der Region (hauptsächlich Follower des @konzerttheaterb und @vvonwatt), per Twitter DM angeschrieben und zur Generalprobe von Hexenhatz eingeladen. Wir hatten das Datum sehr kurzfristig angesetzt und so gab es einige Absagen, aber am Ende waren wir doch zu neunt, was sich als wunderbare Grösse herausstellte. Soweit ich weiss, war dies der erste Tweetup eines Theaters in der Schweiz. Das Stadttheater Heilbronn hatte kurz zvor ebenfalls den Versuch gewagt. Wir betraten also nahezu unbekanntes Terrain. Es ging los, ganz klassisch mit einer Einführung durch die Dramaturgin Wanda Puvogel. Wie es der Zufall wollte, waren auch die Theaterfreunde zur Generalprobe eingeladen und gesellten sich ebenfalls zur Einführung dazu, was sich (für uns Twitterer) höchst amüsant gestaltete, für die Freunde wohl etwas befremdlich war:

 

Twitterer vs. Theaterfreunde

Ich fand die Mischung toll, hätte mir aber mehr Zeit gewünscht, dass sich diese zwei so unterschiedlichen Besuchergruppen etwas annähern könnten. Doch schon ging es weiter, hinein in die heiligen Hallen, die noch nie ein Smartphone jemals leuchtend wieder verlassen hatte. Bis heute. Die Fragen, die mir durch den Kopf gingen: “Bleibt mein Handy lautlos, auch wenn ich jetzt @Hofrats Vine-Video abspiele?”, “Wird sich jemand lustig machen?”, “Kann ich twittern und gleichzeitig schauen?” und vor allem: “Hält mein Akku?!?” Wie abgemacht setzten sich die Twitterer in die letzte Reihe und legten konzentriert los:

@culturelab, @j_talin, @didionysos, @feiaconny, @hofrat, @karinfriedli, @omenzin

@culturelab, @j_talin, @didionysos, @feiaconny, @hofrat, @karinfriedli, @omenzin

Auch die Choreographin machte sich Sorgen und kam eine Minute vor Beginn schnell noch einmal vorbei:

 


Aber die Sorgen waren unbegründet. Bei und blieb Alles still, während am nächsten Tag bei einem “normalen Zuschauer” mitten in der Premiere eine SMS ziemlich lautstark eintraf. Und dann begann das spannende Experiment so richtig. [Für alle Nicht-Theaterbewanderten: Die Generalprobe ist ein kompletter Duchlauf des gesamten Stückes, in dem alles genau so gemacht wird (werden soll), wie am nächsten Tag in der Premiere. Wir sassen also quasi in der Vorpremiere. #funfact]. Durch den Einsatz unserer Smartphones im Stück ergaben sich nun neue Kommunikationsmöglichkeiten, Sichtweisen, Einblicke und Eindrücke und die Möglichkeit, auch mal gezielt nachzufragen:

 

 

Die Twitterer genossen den Austausch und das Stück sichtlich. Jeder twitterte so viel er wollte, Instagrams und Vines flogen herum und manche schauten auch einfach ganz in Ruhe zu und sagten ab und zu einmal:

Also eigentlich ein ganz normaler Abend im Theater. Nur dass man sich austauschen konnte, seiner Timeline spannende Geschichten mitteilte und gleichzeitig Werbung für das Stück und mein Social Media Projekt machte. Nach der Probe kam noch die, der Grösse des Ensembles geschuldeten, etwas längeren Probe der Applausordnung.

Draussen trafen wir noch zwei der twitternden Tänzer, Georgia Usborne (@gusborne) und Jack Widdowson (@JackWiddowson1), die uns Auskunft über das Stück und ihre Erfahrungen mit dem Twittern und Instagrammen von der Probenarbeit gaben. Sie sprachen von einem digitalen Scrapbook, das ihnen ermöglichte den Probenprozess immer wieder Revue passieren zu lassen und so immer wieder Einordung gab. Eine spannende Beobachtung und ich hoffe, dies mit den Beiden noch vertiefen zu können. Dann waren wir schon am Ende des 1. Berner Theater Tweetups. Meine letzte Frage an die letzten Twitterer war: “War es jetzt schwierig für Euch, gleichzeitig zu twittern und dem Stück zu folgen?” Nein, überhaupt nicht, kam die einhellige Antwort, so schauen wir ja auch seit 5 Jahren Fernsehen. (Eine etwas andere Einschätzung von Christian Holst (@culturelab) noch hier.)

Ein spannender Abend.